Was Sprachmodelle auf einer Website tatsächlich lesen

Rund um KI-Sichtbarkeit entsteht gerade viel Halbwissen. Wir haben unsere eigene Seite geprüft, Lücken gefunden und geschlossen. Das hier ist die nüchterne Sortierung, was tatsächlich gelesen wird.

Alessio Gerbig3 Min. Lesezeit

Sprachmodelle bevorzugen Seiten, die Fakten flach hinschreiben und sich als Entität eindeutig zu erkennen geben. Gestaltung, Anzeigen und Marketingsprache spielen dabei keine Rolle.

Die Entität ist wichtiger als der einzelne Text

Der größte Fehler, den wir auf der eigenen Seite hatten: Jede Seite beschrieb das Unternehmen neu. Die Startseite hatte eine Beschreibung, jede Landingpage eine eigene, und niemand verknüpfte sie miteinander. Für einen Auswerter waren das ähnliche, aber getrennte Angaben.

Behoben haben wir das mit festen Kennungen in den strukturierten Daten. Firma und Person bekommen eine eindeutige Adresse, und jede Seite verweist auf dieselbe. Damit steht nicht mehr dreimal etwas Ähnliches, sondern einmal etwas Eindeutiges.

Dazu gehört die Person. Wer schreibt, mit welcher Rolle, verknüpft mit welchem Unternehmen, belegt durch welches externes Profil. Das ist kein Beiwerk, sondern der Unterschied zwischen einem Text und einem Text mit Herkunft.

Wie das bei uns konkret aussah

Wir haben unsere eigene Seite geprüft und dabei einen Befund bekommen, den ich zuerst für einen Formfehler hielt: Es fehle ein Person-Eintrag für die Verantwortlichen. Auf der Startseite stand der Inhaber tatsächlich nur als Textfeld, als Wert in einer Zeile, ohne eigene Kennung und ohne Verknüpfung zum Unternehmen.

Für einen Menschen liest sich das identisch. Für einen Auswerter ist es der Unterschied zwischen einer Zeichenkette und einer Person, die etwas verantwortet.

Vorher und nachher, gemessen an derselben Prüfung
Beschreibungen des Unternehmens über die Seitenvorher beschrieb jede Seite die Firma neu3 → 1
Person-Eintrag für den Inhabermit Rolle, Bild, Arbeitgeber, externem Profilkeiner → vollständig
Attributtiefe des Unternehmenseintrags4 → 7 von 10
Beschreibungen auf einer einzelnen Landingpagedie Firma war dort doppelt beschrieben2 → 1

Die drei Attribute, die weiterhin fehlen, sind Öffnungszeiten, Koordinaten und ein Profil des Unternehmens bei einem Netzwerk. Die habe ich bewusst leer gelassen, statt sie zu erfinden. Erfundene Öffnungszeiten sind schlechter als keine, weil sie irgendwann jemandem vor verschlossener Tür begegnen.

Was messbar zählt

  • Zahlen mit Quelle und Datum. Sie sind zitierfähig, weil sie überprüfbar sind.
  • Klare Antworten auf klar gestellte Fragen. Ein FAQ mit echten Fragen wird häufiger übernommen als ein Fließtext, der dasselbe umschreibt.
  • Eine saubere Überschriftenstruktur. Sie ist die Gliederung, an der sich eine Zusammenfassung entlanghangelt.
  • Datumsangaben. Ein Beitrag ohne Datum ist für ein Modell schwer einzuordnen und wird eher ignoriert.
  • Erreichbarkeit ohne JavaScript-Akrobatik. Was erst nach dem Scrollen erscheint, ist unnötig unsicher.

Was überschätzt wird

Eine Datei namens llms.txt hat sich als Konvention etabliert, eine Art kuratierte Leseempfehlung für Sprachmodelle. Wir haben eine, und sie kostet nichts. Aber niemand sollte glauben, dass eine Datei allein Sichtbarkeit erzeugt. Sie ordnet, was vorhanden ist. Wo nichts ist, ordnet sie nichts.

Ähnlich bei strukturierten Daten: Sie helfen beim Verstehen, sie ersetzen keinen Inhalt. Ein Auszeichnungsformat um eine leere Aussage bleibt eine leere Aussage.

Häufige Fragen

Sie schadet nicht und ist schnell erstellt. Erwarten Sie davon aber keine Wirkung, solange die Seite inhaltlich nichts hergibt. Die Datei ist ein Inhaltsverzeichnis, kein Inhalt.

Nein. Sie sorgen dafür, dass richtig verstanden wird, was da steht. Ob es überhaupt genannt wird, hängt davon ab, ob der Text eine Frage besser beantwortet als andere Quellen.

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